Berliner Mauerfall09 · Wolfgang Seiler
geboren am ... in ...., DDR.
Wolfgang Seiler
Im Polit-Unterricht thematisierte der junge NVA-Offiziersanwärter die Absperrmassnahmen der SED am 13. August 1961. Die NVA quittierte seine Offenheit mit einer Anklage wegen »staatsgefährdende Hetze« und Befehlsverweigerung.
Wer Argumente hat ...
„Der Mauerbau war der »Offenbarungseid!«
Die DDR-Sozialisten! Argumente hatten sie keine, deshalb mußten sie Mauern bauen und schiessen!
Wer Argumente hat, kann überzeugen.”
Wolfgang Seiler, 16.05.2005
»Staatsgefährdende Hetze«
Videointerview: Ralf Gründer, Berlin, 16.05.2005
Leseprobe aus: »Staatsfeinde in Uniform«
„Im November 1961 wurde dem Offiziersschüler Wolfgang Seiler staatsfeindliche Hetze zur Last gelegt, weil er sich offen gegen den Mauerbaun ausgesprochen hatte. Seiler sah in der Grenzsperrung eine Beschneidung der Freiheitsrechte der Bevölkerung und auch eine Erhöhung der Kriegsgefahr. In Diskussionen, die unter den Offiziersschülern an der Technischen Schule der LSK/LV geführt wurden, hatte Seiler u.a. auch Argumente aus der Rede Willy Brandts verwendet. Das wurde genutzt, um ihm strafverschärfend zudem die Nichtdurchführung von Befehlen vorzuwerfen, weil er das Verbot, Westsender abzuhören, mißachtet hatte.” Quelle: Staatsfeinde in Uniform, Seite 139.
Literatur
Ungehorsam in den bewaffneten Verbänden der DDR wurde selten publik und definitiv nicht als Zivilcourage gegen rechtswidrige Befehle beschrieben. In dem Buch »Staatsfeinde in Uniform« wird erstmals auf diese Fälle aufmerksam gemacht und militärhistorisch bewertet.
Staatsfeinde in Uniform
Widerständiges Verhalten und politische Verfolgung in der NVA
Rüdiger Wenzke (Hrsg.), Band 9, Militärgeschichte der DDR, 656 S., Hardcover,
Format: 14,8 x 21,0 cm, 10 s/w. Abb., ISBN 3-86153-361-8
Preis: 29,90 €, vergriffen.
Foto: Wolfgang Seiler, 1983
Wolfgang Seiler fotografierte 1983 die Sperranlagen der DDR entlang der Heidelberger Straße. Aufgrund der vielen Versuche von Hilfsorganisationen, DDR-Bewohner durch Tunnel in den Westen zu retten, gruben die Grenztruppen der DDR einen bis zum Grundwasser hinabreichenden Graben, um dadurch unterirdische Tunnlabauten unmöglich zu machen.